Solange ich Herman van Veen "kenne", bin ich schon Fan. Sagen wir, es war irgendwann Anfang der 80er Jahre. Herman war damals schon lange aktiv und noch lange nicht auf dem Rückzug. Herman geht nämlich nicht auf den Rückzug und freut sich jeden Tag aufs Neue auf morgen. In den letzten 20 Jahren habe ich ihn regelmäßig auftreten sehen und es hat mich kein einziges Mal gelangweilt. Für 2020 war wieder ein Besuch bei ihm geplant, in Carré, weil meine Frau und ich diesen Ort am schönsten finden. Beim letzten Mal durften wir ihn kurz nach seiner Show treffen. Ich sagte ihm, dass ich einen großartigen Abend hatte. "Hat es dir gefallen, Junge?" antwortete er. Sofort ließ ich die LP "Kersvers" signieren, um sie bei De Platenbar an die Wand zu hängen. Zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Textes ist Herman gerade 76 Jahre alt geworden und immer noch unglaublich vital. Das bewies er während seines Auftritts bei "Mathijs draait door" am 13. März 2021 mit OG3NE, Lauwtje und gleich zwei Bigbands.
Wenn Herman van Veen kein Kabarettist geworden wäre, dann wäre er ein berühmter Fußballer gewesen. Oder ein begnadeter Maler. Oder ein bekannter Opernsänger. Oder ein großer Dichter. Oder ein fantastischer Lehrer. Oder ein… Er ist ein kreatives Multitalent, das seine erstaunlichen Beobachtungen und wunderbaren Abenteuer seit mehr als vierzig Jahren mit seinem Publikum teilt.
Am frühen Morgen des 14. März 1945 wird Hermannus Jantinus van Veen im Städtischen Akademischen Krankenhaus von Utrecht geboren. Zusammen mit seinen zwei Schwestern Hanneke und Mary wächst er in einer sozialistischen Arbeiterfamilie auf, in der Vater Van Veen als Typograf bei der Zeitung arbeitet und die Mutter den Haushalt führt. Der Besuch einer Aufführung des Scapinoballetts hinterlässt einen großen Eindruck bei dem damals sechsjährigen Herman. „Ab diesem Moment wollte ich nicht mehr Fußballer bei DOS werden, nicht mehr Erik der Normanne, Ivanhoe, nicht mehr Pilot oder Kapitän, sondern so ein Tänzer und Harlekin“, sagt Herman.
In jungen Jahren erhält Herman Geigenunterricht. Nach der weiterführenden Schule geht er ans Utrechter Konservatorium, wo er eine klassische Ausbildung erhält. Herman selbst findet Jazz und Volksmusik viel interessanter. Nach dem Abschluss gründet er mit seinen Studienkollegen Erik van der Wurff und Laurens van Rooyen die Theatergruppe Harlekijn. 1965 gibt Herman sein Theaterdebüt mit dem Programm Harlekijn. Das Programm erhält lobende Kritiken. Herman wird von der Presse als Wunderkind bezeichnet, „der Cruijff des Theaters“.
Harlekijn ist die erste von tausenden Vorstellungen, die Herman in vier Sprachen spielt und ihn in Theater auf der ganzen Welt bringen, von Carré bis Broadway. Denn auch in Belgien, Frankreich, Deutschland, Österreich, England, Australien, Südafrika, Kanada und den Vereinigten Staaten gilt ‚Hurmen Fan Feen‘ als Phänomen. „Wir lebten in einem Rausch von Vorstellung zu Vorstellung. Interviews, TV-Programme, Plattenstudios, Schreiben, Mädchen, Cafés, Fans, Euphorie“, erzählt Herman, der 1976 aus den Händen von Wim Kan den prestigeträchtigen Louis Davidsring erhält. „Ich war immer am Arbeiten, immer unterwegs. Verliebte mich gnadenlos in die Schauspielerin Marlous Fluitsma. Meine Ehe mit Marijke Hoffman ging in die Brüche. War völlig durcheinander. Konnte es nicht mehr fassen. Versuchte meine Ohnmacht in einem Film zu formulieren.“ So spielt Herman im Film Uit Elkaar (1979) einen geschiedenen Mann neben seiner Gegenspielerin Monique van der Ven. Später spielt Herman auch in Filmen wie Ciske de Rat (1984) – für den er die Musik des Hits Ik Voel Me Zo Verdomd Alleen schreibt – und Nachtvlinder (1999), bei dem er auch Regie führt.
Alfred J. Kwak
Inzwischen tourt Herman mit seinen Vorstellungen unermüdlich um die Welt. Seine Show Alfred Jodokus Kwak entwickelt ein ganz eigenes Leben, als von der mutigen und gesellschaftskritischen Ente zuerst ein Bilderbuch und später eine Animationsserie produziert wird, die weltweit im Fernsehen ausgestrahlt wird. Ein großer Teil der Einnahmen von Kwak kommt der Stiftung Columbine, der Stiftung Alfred Jodokus Kwak, der Stiftung Roos und der Herman van Veen Foundation zugute, alles Organisationen, die sich für Kinderrechte durch Wissensvermittlung und die Finanzierung kleiner Projekte in Entwicklungsländern einsetzen. Herman ist zudem Botschafter von UNICEF und der Stiftung Music In The Middle East.
Preise
Im Laufe der Jahre hat Herman dutzende nationale und internationale Preise erhalten, darunter acht Edisons, den Radio 2 Zendtijdpreis, die Goldene Kamera, den Prix Humanité, die World Peace Flame und den Planetary Consciousness Award, eine Auszeichnung, die auch Michail Gorbatschow und Nelson Mandela zuteilwurde. Bis heute hat er 150 Alben veröffentlicht, von denen weltweit mehr als 80 Millionen Exemplare verkauft wurden.
Ritter
Nach dem Tod seiner Eltern begann Herman zu malen. Er schafft hauptsächlich monochrome abstrakte Werke, die inzwischen in mehreren europäischen Galerien und Museen zu sehen sind. Im Februar 2008 wird eine niederländische Briefmarke von ihm herausgegeben. Im selben Jahr spielt Herman seine 400. Vorstellung im von ihm so geliebten Königlichen Theater Carré. Nach der Vorstellung wird er von Königin Beatrix zum Ritter im Orden des Niederländischen Löwen ernannt. Diese hohe Auszeichnung wird ihm von Minister Plasterk des OCW verliehen. 2009 spielt Herman wieder dutzende Theateraufführungen in den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Amerika.
Quelle: NPO Foto: Anghy
Am 28. März 2021 war Herman unser Sunday Morning Classic!
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