Der flamboyante Frontmann ist Martin Fry – neben Gitarrist Mark White – der in seinen goldenen Lamé-Anzügen mit viel Glitzer und Kitsch als Gastgeber auftritt. (Und natürlich seine blonde Tolle, durch die er gelegentlich sorgfältig die Hand fährt.) Eigentlich schön unecht und glatt, aber es hat sich gezeigt, dass ABC mehr ist als ein Image: Sie haben zahlreiche Hits gemacht, die weltweit immer noch viel gespielt werden. Ihr sogenanntes Alphabet der Liebe (Album The Lexicon of Love aus dem Jahr 1982) enthält Songs wie Poison Arrow, Lexicon of Love, The Look of Love und All of My Heart.
Funk
Das zweite Album ist Beauty Stab aus dem Jahr 1983, bei dem sowohl der Sound als auch das Konzept ziemlich anders sind. Nicht mehr kitschig und glamourös, sondern eher schlicht. ABC gelingt es jedoch nicht, mit diesem Album in die Charts zu kommen. Auch das Album Zillionaire aus dem Jahr 1985 kann den Erfolg des Liebesalphabets nicht übertreffen. Der letzte echte Hit von ABC ist When Smokey Sings aus dem Jahr 1987. Die Musik von ABC wird der sogenannten „neuen Funkwelle“ Anfang der 80er Jahre zugerechnet, mit Bands wie Duran Duran und Spandau Ballet.
Solo
Man kann sagen, es ist der Funk und Groove von Michael Jackson, Jackson Browne und Kool and the Gang gemischt mit etwas übertriebener Glamour. Aber ABC hat sich selbst nie als ‚Funk‘ gesehen. Martin Fry sagte in einem Artikel in den 80ern: „Das Wort Funk wird völlig falsch verwendet, das gibt es höchstens dank Kool and the Gang. Die einzige Betonung, die wir setzen wollten, war auf Tanzen und Romantik: ‚Ausgehen in Nachtclubs und gut aussehen mit kleinem Budget‘.“ Synthesizerpop-Ikone Martin Fry ist noch lange nicht in Vergessenheit geraten. 1997 veröffentlichte er ein Album Skyscraping, das nur in England erschien. Aber er tritt auch heute noch regelmäßig mit ABC in seinem Heimatland auf. Im März 2001 sang er den Track One and Only von DJ/Producer King Britt auf dessen Album Re-Members Only ein.
Top 2000
In der 24. Ausgabe der Top 2000 (wir leben derzeit im Jahr 2023) sind keine Platzierungen von ABC zu finden.
Sunday Morning Classic
Am 9. April 2023 war ABC an der Reihe, unser Sunday Morning Classic Podium zu betreten. Das taten sie mit ihrem Debütalbum The Lexicon Of Love aus dem Jahr 1982.
Meine erste Begegnung mit ABC war im Frühjahr 1982 (ich war damals gerade 17 Jahre alt) mit der zweiten Single Poison Arrow. New Wave trifft auf Soulmusik. The Lexicon of Love ist so ein Album, das man nicht so schnell wieder aus dem Schrank holt. Im Jahr der Veröffentlichung begann auch die „Videoclip-Maschine“ in Gang zu kommen. Ein Sender wie The Box sendete den ganzen Tag Videoclips. Das war damals etwas ganz Besonderes. ABC hatte für fast jeden Song von The Lexicon of Love einen Mini-Film gemacht. Am liebsten mag ich den zu The Look of Love mit fliegenden Nonnen und einem Martin Fry, der ein Puppentheater-Monster bekämpft. Das Album ist sehr geschickt aufgebaut. Durch all die schönen Synthesizerklänge wird es nie wirklich langweilig oder nervig, und Look of Love, Poison Arrow und All of My Heart sind absolut gute Songs.
Im unverfälschten Pop-Genre ist dies eines der besten Alben der 80er Jahre. Musik, Texte, Cover... alles stimmt einfach bei diesem Album. Ein wahrer Sunday Morning Classic.
Martin Fry tourt übrigens wieder mit einer neuen Band unter dem Namen ABC!
Quelle: NPO und Wikipedia Foto: frei verwendbar
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